Quelle: Hallo Nachbar, in 2006

Wirtschaft im Aufwind? - FDP-Chef zum Blitzbesuch in Malchow


Malchow (nb). Dutzende Fotoapparate und Kameras wurden gezückt als er eintraf. Nur wenige wussten vorher davon und doch war die Resonanz groß. Guido Westerwelle, Vorsitzender der FDP, entschloss sich zur Stippvisite in Malchow. Am Abend zuvor starteten die Aktivisten der Müritz-Liberalen noch eine Plakatierungsaktion, die auf dessen Besuch im Inselhotel am 14. August um 15:00 Uhr hinwies. Das Team um Inhaber-Familie Bernhard hatte alle Hände voll zu tun, um Mikrofon und Lautsprecher aufzustellen, die FDP-Fahne zu hissen und die Gäste der komplett besetzten Terrasse zu bedienen. Fast noch schneller war das eigens angereiste ZDF-Team, das Herrn Westerwelle zu einem 8-Sekunden-Statement für das heute-Journal des gleichen Abends bezüglich des deutschen Truppeneinsatzes im Libanon für zehn Minuten mit Beschlag belegte. Trotzdem nahm sich dieser die Zeit für eine interne Gesprächsrunde mit den aus allen Ecken der Region herbeigeeilten FDP-Mitgliedern. "Setzt euch, ich geb´ einen Kaffee aus." Die Chancen und das Potential der Partei nannte er so gut wie seit der deutschen Einheit nicht mehr. "Eine fabelhafte Stimmung in der FDP - das war nicht immer so." Starke Liberale seien gefragt, insbesondere, "wenn man sich das Gemurkse in Berlin und Schwerin ansieht." Wirtschaftliche Vernunft und sozialer Sachverstand müssen wieder regieren, wenn es endlich aufwärts gehen sollte. Die ehrenamtlich wirkenden Mitglieder der Müritz-FDP rief er auf, bei der Stange zu bleiben und in der Schlussphase des Wahlkampfes nochmals alle Register zu ziehen. Ebenso belustigt wie befremdet zeigte er sich über das aktuelle Wahlkampfplakat des CDU-Generalsekretärs von M-V, Lorenz Cafier, das den FDP-Slogan "Stark vor Ort" nachahmt. "Das Original ist immer noch besser als ein Plagiat." Die Gespräche rankten sich aber auch um die Probleme, die jeden Bürger direkt treffen werden. "Die Mehrwertsteuererhöhung frisst einer Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 40.000 Euro im nächsten Jahr 2000 Euro. Rücklagen oder Urlaub sind dann wohl gestrichen." Als großes Problem sahen die Parteimitglieder auch die drastische Reduzierung der Pendlerpauschalen in unserem Flächenland an. Einig war man sich darin, innovative Geschäftsideen besonders zu fördern, weil die Zeit großer Industrieansiedlungen in Mecklenburg-Vorpommern wohl vorbei sei. Sichtliches Bedauern wegen des engen Terminkalenders nicht nur bei den Parteifreunde: "Ich hoffe, wir erden das Gespräch bald fortführen." Zum Abschluss der halbstündigen Zwischenstation in Malchow auf dessen Weg nach Hamburg kam der FDP-Vorsitzende noch mit den seinetwegen auf der Terrasse wartenden Gästen ins Gespräch. Diese waren traurig darüber, dass das Mikrofon unbenutzt blieb, und erfreut, dass er für jeden mehr als nur einen Händedruck oder ein freundliches Wort übrig hatte.

Am Rande: das gute Personengedächtnis von Guido Westerwelle ist legendär. Zu Dieter Kurth meinte er: "Wir spiel´n nochmal zusammen", denn er konnte sich bestens an ein Volleyballturnier in Göhren-Lebbin erinnern. "Der ist gerannt wie um sein Leben." Oder: "Sie kenne ich von den Wahlplakaten, Sie sind unser Direktkandidat Andreas Strubelt."

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